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Harald Schmidt Chef von NDR Info

Radio: Die NDR-Sender präsentieren neue Stimmen und Sendungen

"Onkelhaftes Getue gegenüber attraktiven weiblichen Mitarbeitern und gegen 11.30 Uhr das erste alkoholische Getränk." Für einen Tag übernimmt "Dirty Harry" das Kommando.

Der bekennende NDR-Info-Fan Harald Schmidt übernimmt am 22. September einen Tag lang das Kommando im Sender. Foto: ARDHamburg - Harald Schmidt hat seine ganz eigenen Vorstellungen von den Aufgaben eines Chefredakteurs: "Onkelhaftes Getue gegenüber attraktiven weiblichen Mitarbeitern. Gegen 11.30 Uhr das erste alkoholische Getränk. Sich ins Tagesgeschäft nicht weiter einmischen." Wie sich der schmidtsche Zynismus zur Realität verhält, kann der Entertainer am eigenen Leib testen: Am 22. September nimmt er auf dem Chefredakteurssessel von NDR Info Platz - und zumindest der dritte Punkt wird schwerlich umzusetzen sein, denn fest steht, dass Schmidt nicht nur im Hintergrund agiert, sondern sich meinungsstark zu Wort meldet. Darüber hinaus habe er freie Hand, so Programmchefin Claudia Spiewak, die sich die prominente Vertretung als Geburtstagsüberraschung zum zehnjährigen Bestehen des Senders leistet.

Auch bei den drei anderen NDR-Radiosendern gab es bei der Programmpräsentation in Hamburg Neuzugänge zu vermelden - wenn auch weniger prominente. Bei NDR 2 gestalten vom 1. September an im wöchentlichen Wechsel Hinnerk Baumgarten und Elke Wiswedel den Nachmittag. Als "zwei Radiopersönlichkeiten, die Gespräche mit den Hörern auf Augenhöhe führen können", beschreibt Hörfunk-Programmdirektor Joachim Knuth die Moderatoren. Bettina Tietjen wird jeweils am Sonntagvormittag ihren Platz vor der Fernsehkamera gegen einen Platz beim NDR-2-Frühstückstalk "Tietjen talkt" tauschen. Auf N-Joy, dem jüngsten Programm der NDR-Familie, weckt seit Kurzem ein vierköpfiges "Anchorteam" um Frühmoderator Stefan Frech die Hörer mit der "Moin-Show".

Darüber hinaus starten die Sender im September eine gemeinsame "Wissensoffensive", kontrapunktisch angelegt zum oberflächlichen Google-Check. So sendet NDR Kultur im September die 20-teilige Serie "Deutschland hören" - eine akustische Reise durch die Kulturgeschichte von den Germanen bis zum wiedervereinten Deutschland. In einer zweiten Serie werden "Geschichten von der Liebe" erzählt. Auf N-Joy geben in "N-Joy Experten" künftig immer dienstags Fachleute Antworten auf Fragen, die Hörer zuvor online gestellt haben. NDR 2 sendet vom 1. September an morgens die Rubrik "Stimmt's", in der Legenden und Irrtümer des Alltags aufgeklärt werden. Und NDR Info präsentiert immer donnerstags die Serie "Welt-Wissen", die Hintergründe zu aktuellen Themen liefert.

Eine Auszeit vor dieser geballten Ladung Wissen und den pädagogisch wertvollen Sendungen verspricht die neue Comedyreihe "Frühstück bei Stefanie" auf NDR 2. Hier, in einem Stehtisch-Bistro irgendwo in Norddeutschland, dreht sich alles um das Leben im Allgemeinen und seine Widrigkeiten im Besonderen.

Quelle: Hamburger Abendblatt

 
Neue Studie: Sachsen hat das beste Bildungssystem

Studie: Neue Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft

Sachsen hat das beste Bildungssystem

Hamburg liegt im Mittelfeld. Klage über immer weniger Ingenieur-Studenten an den deutschen Universitäten.

Das sind die Ergebnisse des Länderrankings 2008 im Detail. Berücksichtigt wurden unter anderem Betreuungsbedingungen, Schulqualität, Bildungsarmut, Integration und berufliche Bildung. Sachsen liegt klar in Führung. Foto: HAKöln/Berlin - Sachsen hat das beste Bildungssystem Deutschlands geschaffen. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie. Demnach nehmen Baden-Württemberg, Thüringen und Bayern im Vergleich der 16 Bundesländer die weiteren Spitzenplätze ein, wie aus dem gestern in Köln vorgestellten "Bildungsmonitor" des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) hervorgeht. Bei der Untersuchung im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) landete Mecklenburg-Vorpommern abgeschlagen auf dem letzten Platz. Die Studie bescheinigte dem deutschen Bildungswesen insgesamt einen Aufwärtstrend, Mängel bestünden aber weiter bei der Ganztagsbetreuung von Kindern und der Ausbildung von Ingenieuren.

Für die Studie untersuchten die IW-Bildungsökonomen die Länder anhand von mehr als 100 Indikatoren, von der Zahl der Schulabbrecher über die Betreuungsqualität bis zur Zahl der erfolgeichen Promotionen. Dabei bildeten die unionsgeführten Länder Sachsen, Baden-Württemberg, Thüringen und Bayern nach Ansicht der Forscher ein "überlegenes Führungsquartett". Sachsen erreichte in nahezu allen Bereichen gute oder sehr gute Ergebnisse und baute seine Führung aus dem vergangenen Jahr noch aus. Es folgt ein breites Mittelfeld aus elf Bundesländern. Klar am Schluss liegt Mecklenburg-Vorpommern. Überdurchschnittliche Verbesserungen im Vergleich zum Vorjahr erzielten Niedersachsen, Bremen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und das Saarland.

Positiv finden die Forscher es, dass das Bildungswesen internationaler wird. Bereits zwei von drei Grundschülern lernen Englisch oder Französisch. Vor vier Jahren waren es erst 25 Prozent. Zudem habe die Gesamtdauer von Schule und Studium abgenommen.

Negativ fiel das Urteil dagegen bei der Ganztagsbetreuung an Kindertagesstätten und Schulen aus. In einigen Bundesländern werden der Studie zufolge nur zwei Prozent aller Grundschüler und acht Prozent aller Kinder zwischen drei und sechs Jahren ganztägig betreut. In den ostdeutschen Ländern sind diese Quoten allerdings deutlich höher. Die IW-Forscher bemängelten zudem, dass der Anteil der Hochschulabsolventen in ingenieurwissenschaftlichen Fächern gemessen an allen Absolventen von gut 20 Prozent im Jahr 1999 auf 16 Prozent im Jahr 2006 gesunken ist.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) forderte indes höhere Investitionen in das Bildungssystem. Nach einer vom DGB vorgestellten Studie für die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung fehlen jährlich 29,4 Milliarden Euro. Das Geld müsste in Kindertagesstätten, Schulen, Universitäten und in die Weiterbildung fließen. DGB-Vorstandsmitglied Claus Matecki sagte: "Bei der Bildung gibt es zur öffentlichen Hand keine Alternative. Der Markt alleine ist zu einem solchen Kraftakt nicht in der Lage."

Der DGB und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) verlangen deshalb mit Blick auf den Bildungsgipfel von Bund und Ländern, zu dem Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im Oktober einlädt, eine "nationale Bildungsstrategie" und mehr gemeinsame Investitionen von Bund und Ländern. Auch der Verband Bildung und Erziehung (VBE) rief Bund und Länder zu "konstruktiver Zusammenarbeit" auf. Durch "ständige Scharmützel um Zuständigkeiten" lasse sich das Bildungswesen in Deutschland nicht gestalten, kritisierte der VBE-Vorsitzende Ludwig Eckinger. Der Verband erwarte vom Bildungsgipfel hier ein "klares Signal". Eckinger appellierte an die Ministerpräsidenten, dafür zu sorgen, dass die durch den Schülerrückgang frei werdenden Mittel im Bildungssystem bleiben.

Quelle: Hamburger Abendblatt (abendblatt.de)
 
Brustkrebs: Ein Gel lindert die Schmerzen

Brustkrebs: Viele gehen nicht zur Mammografie

Brustkrebs ist eine immer größer werdende Gefahr!Schmerzen bei der Brustkrebsuntersuchung lassen sich einer Studie zufolge mit einer lokal betäubenden Salbe verringern. Reiben Frauen eine Stunde vor der Untersuchung ein Gel mit dem Wirkstoff Lidocain auf ihre Brüste, verspüren sie deutlich weniger Schmerzen, berichtet die in Neu-Isenburg erscheinende "Ärzte Zeitung" unter Berufung auf eine Studie in der Fachzeitschrift "Radiology". Schmerzmittel zum Einnehmen hatten dagegen keinen spürbaren Effekt.

Bei der Studie sprachen die Frauen, die im Gegensatz zu einer Vergleichsgruppe statt eines Placebo- ein Wirkstoff-Gel erhielten, von deutlich weniger Schmerzen als bei früheren Untersuchungen. Fast 75 Prozent sagten zudem, auch zur nächsten Mammografie gehen zu wollen. Untersucht wurden mehr als 400 Frauen zwischen 32 und 89 Jahren. 54 Prozent hatten angegeben, Termine zuvor wegen Unannehmlichkeiten beim Röntgen versäumt zu haben.

dpa

Quelle: Hamburger Abendblatt (abendblatt.de)

 
Mordslust auf Lübeck

Krimi: Autoren machen die Stadt zum Schauplatz von Verbrechen

Mordslust auf Lübeck

"Die Altstadt ist ein Schatz, der meine Fantasie anregt", sagt der Hamburger Kriminalschriftsteller Norbert Klugmann.

Eva Almstädt hat vier Krimis um die Polizeikommissarin Pia KorittkiLübeck/Hamburg - Es muss an den verwinkelten Altstadtgassen liegen, den backsteinernen Kontorhausgiebeln und den Kirchtürmen, unter deren langen Schatten sich seit Jahrhunderten Geschichte und Geschichten sammeln. In Lübeck lässt es sich besonders gut auf Mörderjagd gehen. Die Hansestadt an der Trave ist Schleswig-Holsteins Krimi-Metropole. Mindestens zehn Autoren schicken ihre Ermittler in Lübeck zur Arbeit. Zwei Kripo-Beamtinnen sind in der ZDF-Serie "Das Duo" zwischen Holstentor und Heiligen-Geist-Hospital im Einsatz.

"Die Altstadt ist ein Schatz, der meine Fantasie anregt", sagt Norbert Klugmann (56), der gerade seinen zweiten Historienkrimi um die Hebamme Trine Deichmann ("Die Nacht des Narren") veröffentlicht hat. Klugmann lebt in Hamburg, hat aber inzwischen fünf Lübeck-Krimis geschrieben. "Lübeck war die zentrale Stadt während der Hansezeit, von dort gingen Waren in die ganze Welt", begründet der Schriftsteller, der gern durch die Altstadtinsel streift, seine Ortswahl.

Klugmanns Krimiheldin Trine Deichmann lebt an der Zeitenwende Ende des 16. Jahrhunderts, als die beste Zeit für Lübeck vorbei ist. Mutig, unkonventionell und mit viel Verve macht die Hebamme ihre Arbeit - und gerät so in Familienfehden wie im ersten Band um die Salzhändlerfamilie Schelling oder jetzt im zweiten Band in die surreale Regentschaft des Hofnarren Theophrastus von Bommelheim auf einem Schloss im Mecklenburgischen. "Ich habe eine kleinere Stadt gewählt, weil sich die Verflechtungen der Personen und der Erzählstränge besser im Griff behalten lassen", sagt Vielschreiber Klugmann, der parallel noch eine zweite Krimiserie um den sehr gegenwärtigen Lübecker Weinkenner Marchese schreibt.

Das Konzept geht auf. Lübeck als Krimikulisse kommt bei den Lesern an. "Fast jeder kennt die Stadt", sagt Frank Liebsch vom Gmeiner-Verlag. Zudem gebe es bei abgeschlossenen Regionen eine besonders hohe Identifikation und damit ein hohes Leserinteresse. Gemeiner, ein auf Regionalkrimis spezialisierter Verlag im schwäbischen Messkirch, hat mit Ellen Danz ("Nebelschleier") und Anke Clausen ("Ostseegrab") zwei weitere Autorinnen im Programm, die ihre Geschichten in und um die Hansestadt ansiedeln. "Die Nordkrimis laufen gut, auch weil sie von Urlaubern gelesen werden", so Liebsch.

Romane sin Auch Derek Meister (35) lässt seinen Helden Rungholt durch die Lübecker Geschichte streifen. Handlungszeit ist das Mittelalter des 14. Jahrhunderts. Inzwischen hat der Autor, der südlich von Hamburg am Steinhuder Meer lebt, seinen dritten Krimi ("Knochenlese") um den bärbeißigen Patrizier veröffentlicht. Der vierte Band soll im März 2009 beim zur Random House-Gruppe gehörenden Blanvalet-Verlag erscheinen. Allesamt dicke Schmöker, die detailreich, gut recherchiert und auch noch humorvoll sind. Die Gesamtauflage liegt laut Verlag bei immerhin 95 000 Exemplaren.

"Es gibt hier viele Ecken und Winkel, die mittelalterlich angehaucht sind. Da kann man sich zahlreiche Geschichten vorstellen", freut sich Doris Schütz vom Lübecker Stadtmarketing über dem Krimi-Boom in der Hansestadt. Auch die örtliche Polizei beschäftigen die fiktiven Kriminalfälle zunehmend. "Wir haben immer wieder Anfragen", sagt Polizeisprecher Frank Doblinski. Auch im wahren Leben ist Lübeck ein Tatort. In der bundesweiten Kriminalitätsstatistik liegt die 250 000-Einwohner-Stadt regelmäßig ganz weit vorn. "Aber ich glaube nicht, dass das der Grund für Autoren ist, ihre Geschichten in Lübeck spielen zu lassen", sagt der Polizist. "Das liegt eher am Ambiente."

Das beschwört auch Eva Almstädt (42) in ihren Pia-Korittki-Fällen. Es geht um dunkle Familiengeheimnisse und eine rätselhafte Mordserie. Dazu gibt es viel Lokalkolorit: "Die Engelsgrube war eine abschüssige Straße, die sich vom Koberg hinunter bis zur Drehbrücke zog. Pia stand neben dem Gebäude der Schiffergesellschaft und blickte skeptisch hinunter in Richtung Hafen("Engelsgrube")."

Vier Krimis um die Polizeikommissarin, die gern mal eine Bloody Mary trinkt, hat die Autorin aus dem schleswig-holsteinischen Hammoor inzwischen veröffentlicht. Die Auflage liegt nach Angaben des Bastei-Lübbe-Verlags bei 80 000 Exemplaren. Die nächsten beiden Bände sind in Arbeit.

"Es sind gut geschriebene Krimis mit einer interessanten Hauptfigur, die zudem eine große Authenzität haben", erklärt ihre Lektorin Karin Schmidt den Erfolg von Pia Korittki. Die Kommissarin ist ähnlich wie der ermittelnde Patrizier Rungholt oder die furchtlose Hebamme Trine Deichmann auch ein Marketingfaktor für die Hansestadt Lübeck.

Quelle: Hamburger Abdenblatt (abendblatt.de)

 
Die Faszination des Bösen

Batman: Im aktuellen Film punktet der Gegenspieler des Gotham-Retters

Der Kampf zwischen Gut und Böse war mal eine überschaubare Sache. Doch die Supergangster haben dazugelernt, die Superhelden sehen manchmal ganz schön blass aus. Eine Zwischenbilanz nach "The Dark Knight".

Sieht doch ganz gut aus: Batman (Christian Bale) legt gleich seine schweren Hände auf die Schultern von Joker (Heath Ledger), der gerade festgesetzt wurde - seine Häscher aber gleich darauf wieder austrickst. Foto: APHamburg - Gotham City war schon immer ein düsterer Ort. Sonst hätte unser Freund mit den Dobermann-Ohren (Fledermausohren sind das jedenfalls nicht) ja auch nichts zu tun. Die Superhelden der amerikanischen Graphic Novels wie Batman, Superman oder Spiderman sind dazu da, eine ungerechte Welt zu verbessern: immer wieder, und immer wieder verlässlich heldenhaft.

In Christopher Nolans neuem Batman-Film lernt das Publikum, dass auf nichts Verlass ist. Der Millionärssohn Bruce Wayne (Christian Bale) ist blass, blasiert und müde. Sein Alter ego Batman hält zwar noch die Unterwelt in Schach, wirkt aber ausgebrannt und würde am liebsten aussteigen. Er hofft, dass der schon aus früheren Versionen bekannte Bezirksstaatsanwalt Harvey Dent (Aaron Eckhart) auch ohne Fledermaushilfe zurechtkommt. Der Film beginnt gleich mit diesem Zweifel: Ist Batman eigentlich noch ein Superheld? Und braucht ihn Gotham City?

Die Frage stellt sich natürlich nicht mehr, sobald Heath Ledger als Joker auftaucht. So unterschiedlich die Kritiker den Film insgesamt beurteilen (von "der beste aller Batman-Filme" bis zu "nicht überragend"), in einem sind sich alle einig: Joker ist der Star, quasi das beherrschende Schwarze Loch, das alle anderen Sterne in sein zerstörerisches Kraftzentrum zieht.

Er tritt den glatten, legalistischen Guten als das kreative Böse gegenüber, das in überhaupt kein Schema passt: verschmiert geschminkt wie eine verlebte Clowns-Version aus Stephen Kings "Es", selbstverliebt, manipulativ, sadistisch. Wunderbar die Szene, in der er in eine Versammlung von Gothams Bandenbossen platzt: Er erpresst sie, terrorisiert sie genüsslich, aber sie hängen an seinen Lippen, die er leckt wie eine hungrige Boa constrictor. Joker, meinen viele, habe Hannibal Lecter auf der nach oben offenen Filmpsychopathen-Skala endgültig von Platz 1 verdrängt.

Heath Ledger, gefeiert in seiner Rolle als schwuler Cowboy in "Brokeback Mountain", hat durch seinen plötzlichen Tod im Januar dem Batman-Film schon vorab eine dramatische Publicity. Man kann sich dem Gefühl nicht entziehen, wenn man ihn jetzt im Film sieht: Was für ein Schauspieler! Was für ein Verlust!

Was wäre Batman ohne ihn? Ein Regisseur, der die sechste Batman-Adaption plant, hat nicht sehr viele Möglichkeiten. Er kann die Figur erklären, sie in begrenztem Rahmen weiterentwickeln oder sie ironisieren. Tim Burton hatte den beiden ersten Neuverfilmungen ("Batman", 1989, und "Batmans Rückkehr", 1992) seinen typischen Stempel aufgedrückt: ein verspieltes, schauermärchenhaftes Design mit durchgeknallten, aber irgendwie durchschaubaren Bösewichten wie etwa Jack Nicholson als Ganove Napier und Danny de Vito als "Pinguin", und mit eigenwilligen Helferinnen wie Michelle Pfeiffer (Catwoman).

In der Joel-Schumacher-Phase ("Batman Forever", 1995, und "Batman & Robin", 1997) wurde die Schurkenriege komplizierter, aber immer stellte Batman die Ordnung wieder her. Im Jahr 2005 setzte Christopher Nolan als Regisseur eine Zäsur: mit dem Rückgriff auf Batmans Kindheit und das Trauma der Ermordung seiner Eltern. Das schuf größeren psychologischen Spielraum für Bruce Wayne/Batman.

Jetzt ist sein Held ein smarter Mittdreißiger. Auch in Gotham City gibt es mittlerweile Anti-Korruptionseinheiten bei der Polizei, und die Unterwelt-Bosse haben den globalen Finanzmarkt, chinesische Dienstleister und die Tricks der Datenüberwachung entdeckt. Die Stadt und Batman sind im 21. Jahrhundert angekommen.

Aber die wirklich neue Figur ist Joker, ein Katalysator für Batman und den Staatsanwalt. Ein Provokateur, der testen will, wie weit seine Gegner gehen, wann sie ihre eigenen Werte verraten. Die Parallelen zur Herausforderung des Terrorismus sind filmisch unübersehbar: in den rasanten Anflügen auf Büroglasfronten, in Anspielungen auf den Überwachungsstaat und in der Überreaktion der Ordnungshüter.

Nur hat Joker keine Botschaft. Und Batman selbst benutzt Mittel, die aus dem US-"Ministerium für Heimatschutz" entliehen sein könnten. Harvey Dent kippt schließlich auch. Er sagt: Ein Mann kann in unanständigen Zeiten nicht anständig sein.

Das ist ein neuer, resignativer Zug. Das Böse hat stets den Überraschungserfolg auf seiner Seite, nur die Guten müssen sich wirklich entscheiden. Und gehen beschädigt aus der Konfrontation hervor - mit einem nur vorläufigen Sieg. Nolan hat es geschafft, einer Comic-Verfilmung die Tiefe eines Zeitgeistfilms zu geben. Die Zeit der (fliegenden) Erlöserfiguren für eine zerfallende Gesellschaft ist vorbei.

Quelle: Hamburger Abendblatt (abendblatt.de)

 

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