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| Fall Morsal O.: Die Anklage lautet auf Mord |
Justiz: Der Prozess wird ab November vor der grossen Strafkammer 21 verhandeltMit 20 Messerstichen tötete ihr Bruder die 16-Jährige. Nach Abendblatt-Informationen will er vor Gericht aussagen. Er behauptet, er bereue die Tat.
Jahrelang hatte die hübsche Morsal vor der Tat unter ihrem Bruder - und wohl auch unter anderen Familienmitgliedern - gelitten. Morsal hatte ein Leben führen wollen, wie es ihre Mitschülerinnen, zunächst in Bergedorf, dann in Rothenburgsort, auch führten. Sie wollte feiern, sie wollte Spaß, wollte Jungs kennenlernen, ausgehen. Ihre Familie, allen voran Ahmad, ältestes von vier Geschwistern, wollte all das verhindern. Er wollte sie zurückholen in die Regentschaft strenger Familientradition. Morsal hörte nicht immer auf ihn. Das war am Ende ihr Todesurteil. In Hamburg und bundesweit geriet das Phänomen der sogenannten "Ehrenmorde" einmal mehr in die Schlagzeilen. Morsal war bereits mehrfach von zu Hause, aus der Fünfzimmerwohnung in Rothenburgsort, in städtische Jugendeinrichtungen geflüchtet. Auch ihr Vater hatte Morsal offenbar geschlagen. Dauerhaften Schutz konnten Heime und offene Unterbringungen dem Mädchen nicht bieten - auch weil Morsal stets von sich aus wieder nach Hause in die trügerische Sicherheit der Familie zurückkehrte und es offenbar verstand, viele über ihren wahren Gemütszustand zu täuschen. In Ahmad O., dem 23-jährigen, bei der Polizei als Gewalttäter bekannten Bodybuilder, wuchs derweil die Wut über die sieben Jahre jüngere Schwester. Bis er sie schließlich nach St. Georg bestellen ließ, um dort wie von Sinnen auf sie einzustechen. Später stellte er sich bei der Polizei, kam in Untersuchungshaft. "Es geht ihm schlecht", sagt Ahmad O.s Anwalt. "Er bereut die Tat, es tut ihm leid, dass er seine Schwester getötet hat." Der Untersuchungsgefangene werde im Prozess gewiss aussagen, so der Advokat. O. habe ein starkes Mitteilungsbedürfnis. Ob er auch zu möglichen Taten oder Verstrickungen anderer Familienmitglieder im Verlauf von Morals Martyrium aussagen wird, bleibt abzuwarten. Die Eltern hatten sich nach dem Mord von ihrem ältesten Sohn losgesagt. Der Fall O. wurde schnell zum Politikum. Die Frage nach möglichen Versäumnissen wurde ebenso laut wie der Vorwurf an die Behörden, man habe die Situation im Hause O. falsch eingeschätzt oder gar nichts von den Nöten der Deutsch-Afghanin gewusst. Sozialsenator Dietrich Wersich (CDU) und Vizebürgermeisterin Christa Goetsch (GAL) traten gemeinsam vor die Öffentlichkeit, um Veränderungen im Umgang z. B. mit Schulabmeldungen und eine Aufstockung des Etats für Hilfsstellen anzukündigen. Wersich sagte, die Behörde werde künftig in ähnlich gelagerten Fällen bei der Einschätzung von innerfamiliären Gefährdungslagen stets vom schlimmsten Fall ausgehen. Es entbrannte ein Streit zwischen Wersich und Markus Schreiber, den Leiter des Bezirksamtes Mitte über Zuständigkeiten bei der Bearbeitung des Falles Morsal O. Der kürzlich berufene Leiter der Hamburger Staatsanwaltschaft, Ewald Brandt, kündigte an, dass seine Behörde den Migrationshintergrund im Bereich der Jugendkriminalität stärker berücksichtigen werde. Es werde zu prüfen sein, ob bei Körperverletzungsdelikten früher Ermittlungen von Amtsseite eingeleitet werden könnten. Auch Morsal O. hatte ihren Bruder einmal angezeigt, die Anzeige dann aber zurückgenommen. Die Ermittlungen waren eingestellt worden. Wenig später wurde die 16-Jährige umgebracht. Quelle: Hamburger Abendblatt (abendblatt.de) |


Der Mord an dem 16-jährigen Mädchen Morsal O., einer Deutsch-Afghanin aus Rothenburgsort, beschäftigte Politik und Justiz wie kaum ein zweiter Kriminalfall in den vergangenen Jahren. Am 15. Mai dieses Jahres brachte ihr Bruder Ahmad sie mit 20 Messerstichen auf einem Parkplatz am Berliner Tor um, weil er den westlichen Lebensstil der 16-Jährigen nicht ertragen konnte. Eine Tat aus falsch verstandenem Ehrgefühl. Die Staatsanwaltschaft hat jetzt Anklage wegen Mordes gegen Ahmad O. erhoben. Der Fall liegt bei der Großen Strafkammer 21, wird vermutlich ab November verhandelt werden. Der 23-jährige Täter will nach Abendblatt-Informationen im Prozess aussagen und behauptet, er bereue die Tat.