Kaukasus: Russische Truppen ziehen sich aus georgischem Kernland zurück Langsam, aber sicher? Bis zum späten Nachmittag tat sich nichts. Aber dann setzten sich die Panzer der russischen Armee doch noch in Bewegung. Moskau/Tiflis - Praktisch in letzter Minute hat der versprochene Abzug russischer Truppen aus Georgien begonnen. Riesige Panzerkolonnen bewegten sich am Freitagnachmittag aus den Städten Gori, Senaki und Igojeti. Um 17.50 Uhr vermeldete Verteidigungsminister Anatoli Serdjukow Vollzug: Alle Truppen seien aus dem Konfliktgebiet in das von Georgien abtrünnige Südossetien verlagert worden. In Igojeti nahe der Hauptstadt Tiflis wurden schon früh keine russischen Soldaten mehr gesehen. Der russische Präsident Dmitri Medwedew hatte den Rückzug der Truppen aus dem georgischen Kernland bis Freitagabend angekündigt. Nach dem von der EU ausgehandelten Waffenstillstandsabkommen musste sich Russland auf die Stellungen zurückziehen, die es vor Beginn der Kämpfe am 7. August innehatte. Zunächst war davon gestern aber nichts zu spüren. "Falls sie gehen sollten, dann im Schneckentempo", kritisierte der US-Befehlshaber in Europa, General John Craddock noch am frühen Nachmittag. Aber dann bewegten sich die Truppen doch. Allerdings nicht ohne die von der EU abgesegnete Pufferzone auf georgischem Kerngebiet um Südossetien herum zu errichten - 500 Friedenssoldaten sind dort als "vorübergehende Sicherheitsmaßnahme" stationiert, wichtige Straßen sollen weiter kontrolliert werden. Georgiens Präsident Michail Saakaschwili beklagte dies als "Besetzung" seines Landes. Der georgische Sicherheitschef Alexander Lomaja warf Moskau vor, mit den Truppen Georgien "wirtschaftlich zu ersticken". Deutschlands Vizeregierungssprecher Thomas Steg betonte jedoch, dass die Pufferzone nur eine Übergangslösung sein könne. Es müsse schnell ein internationaler Überwachungsmechanismus in Kraft treten. Die Bundesregierung bemühte sich derweil um eine Rückkehr zum Dialog mit Moskau. Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) verwies auf die gemeinsamen Sicherheitsinteressen der internationalen Gemeinschaft und Russlands. Nachdem Russland offiziell die militärische Zusammenarbeit mit den Nato-Staaten gestoppt hatte, kritisierte die russische Militärführung ein Nato-Manöver mit deutscher Beteiligung im Schwarzen Meer. "Diese Aktionen dienen nicht ernsthaft der Stabilisierung der Lage in der Region", sagte Nogowizyn. Die gemeinsame Nato-Übung sei seit über einem Jahr geplant gewesen und habe mit dem Konflikt im Kaukasus nichts zu tun, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Berlin. Die Europäische Union gab bekannt, dass für die Flüchtlinge und Vertriebenen in Georgien aus Brüssel weitere fünf Millionen Euro zur Verfügung gestellt werden - und zwar für den Einkauf von Lebensmitteln, Zelten und Decken. Der Uno-Sicherheitsrat einigte sich indes wieder nicht auf eine Resolution zum Konflikt im Kaukasus. Die USA, Frankreich und Großbritannien bestanden bei der Sitzung auf russische Garantien für die territoriale Integrität Georgiens. Russland stellte einen eigenen Resolutionsentwurf fertig, ließ aber nicht erkennen, wann darüber abgestimmt werde. Der Sicherheitsrat bemüht sich seit Tagen vergeblich um eine gemeinsame Position zum Konflikt. Quelle: Hamburger Abendblatt (abendblatt.de)
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