Keine Verstärkung, keine Munition Der Tod von zehn Soldaten löst in Paris eine Debatte über den Sinn des Afghanistan-Einsatzes aus. Sarkozy will standhaft bleiben. Paris/Kabul/Berlin - Nach dem Tod von zehn französischen Soldaten in Afghanistan haben Teilnehmer der offiziellen Version zum Hergang der Kämpfe widersprochen. Bei dem Angriff östlich von Kabul verletzte französische Soldaten hätten "die Langsamkeit der Reaktion des Kommandos und schwerwiegende Koordinationsprobleme" beklagt, berichtete die französische Zeitung "Le Monde". Demnach musste die an einem Pass angegriffene Einheit "vier Stunden ohne Verstärkung" ausharren. Dies erkläre auch die hohe Zahl der Opfer, die, anders als vom Generalstab in Paris behauptet, nicht gleich zu Beginn der Kämpfe getötet worden seien. "Wir hatten keine Munition mehr, um uns mit anderen Waffen als unseren Famas (Sturmgewehren) zu verteidigen", sagte ein verletzter französischer Soldat. Zudem verfehlten Luftangriffe der Nato auf die Angreifer ihr Ziel "und trafen französische Soldaten". Teils seien die Franzosen auch von afghanischen Soldaten, die ihnen zu Hilfe kommen sollten, beschossen worden. Der Generalstabschef des französischen Heeres, General Elrick Irastorza, wollte sich nicht zu den Vorwürfen äußern. Jetzt gehe es zunächst um das Mitgefühl für die Verletzten und die Familien der Gefallenen, sagte er bei der Rückkehr von verletzten Soldaten aus Afghanistan am Pariser Flughafen Orly. Danach würden "die Lehren aus diesem Ereignis gezogen". In Paris wachsen allerdings die Zweifel am Sinn des Einsatzes. "Wir müssen uns fragen, was wir in Afghanistan tun", sagt der frühere Verteidigungsminister Paul Quilès. Während Strategieexperten das militärische Vorgehen infrage stellen, fordert die Opposition eine Debatte im Parlament oder ganz einfach den Rückzug der Truppen. "Was machen die Soldaten in diesem Sumpf?", fragt die Zeitung "Dernières Nouvelles d'Alsace". Wie ein Schock trifft viele besonders die Tatsache, dass die Taliban so wenige Kilometer vor Kabul so viel Macht entfalten können. "Seit dem Algerienkrieg ist die Armee nicht mehr in einen solchen Hinterhalt geraten", sagt ein Abgeordneter erschüttert. Doch Präsident Nicolas Sarkozy zeigt sich fest. "Ich habe keine Zweifel", erklärte der oberste Befehlshaber beim Truppenbesuch in Kabul. "Wenn ich noch einmal vor der Wahl stünde, würde ich wie meine Vorgänger wieder die französische Armee hierhin schicken." Der Einsatz sei gerecht. "Hier wird der Kampf gegen den Terrorismus geführt." Auch die Bundeswehrsoldaten wurden in Afghanistan schon oft angegriffen. Gestern haben sie erstmals bei der Abwehr eines Angriffs einen mutmaßlichen Täter erschossen. Das Verteidigungsministerium berichtete, eine Patrouille sei nahe dem Bundeswehr-Feldlager im nordafghanischen Feisabad am späten Dienstagabend angegriffen worden. Bei dem Schusswechsel sei ersten Berichten zufolge ein Angreifer verwundet worden, der seinen Verletzungen während des Transports durch die afghanische Polizei ins Feldlager erlegen sei. Bundeswehrsoldaten seien nicht zu Schaden gekommen. Quelle: Hamburger Abendblatt (abendblatt.de)
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